11.07.2006

aus den Westfälischen Nachrichten vom 11. Juli 06 - von Markus Schönherr

Aus Politikerin Schulze wird Praktikantin Svenja
Münster-Wolbeck. Dass es sich bei der Praktikantin um eine Landtagsabgeordnete handelte, spielte für die Bewohner des Achatius-Hauses keine große Rolle. Für sie war die fröhliche Frau, die den Mitarbeitern des Hauses über die Schulter schaute und so gut es ging mit anpackte, einfach die "Svenja".

Drei Tage der parlamentarischen Sommerpause verbrachte Svenja Schulze (SPD) in der Wolbecker Pflegeeinrichtung, um, wie sie sagte, die ganz alltäglichen Abläufe kennen zu lernen. Unter das Motto "Abenteuer Alltag" hat sie ihre Praktika-Reihe gestellt. Nach dem Auftakt in Wolbeck sollen in Zukunft weitere Einsätze folgen, um "mitzubekommen, wie das Leben in Münster läuft".

In der Bilanz ihres ersten Praktikums betonte Svenja Schulze vor allem einen Aspekt. "Die Mitarbeiter des Achatius-Hauses sind super engagiert", hob sie am Ende des dritten Tages hervor. "Für sie ist es mehr als nur ein Job. Es gibt ganz viel Fröhlichkeit im Haus. Das ist ein Verdienst der Mitarbeiter."

In verschiedenen Bereichen der Einrichtung kam Svenja Schulze zum Einsatz. Vom Gedächtnistraining mit an Demenz erkrankten Menschen bis zur Körperpflege hat sie all das mitbekommen, was zur täglichen Arbeit des Personals gehört. Dass es dabei auch ums Waschen und um Toilettengänge ging, hat die Politikerin, die von Hause aus Unternehmensberaterin ist, nicht überrascht. "Das gehört dazu."

Am lebendigsten sei es im Bereich der "jungen Pflege" zugegangen, so Svenja Schulze. Pflegebedürftige Menschen unter 55 Jahren leben hier. Dass jeder schnell in die Lage kommen kann, auf die Hilfe anderer angewiesen u sein, sei ihr bewusst geworden. "Darüber macht man sich sonst nur wenig Gedanken", meinte die 37-Jährige.

Ihre Tätigkeit als Politikerin spielte bei den Begegnungen kaum eine Rolle. "Ich bin ja auch nicht hierher gekommen, um politische Diskussionen zu führen", versicherte die Landtagsabgeordnete. Ihr Anliegen, "die Normalität mitzubekommen", stand im Vordergrund.

Gleichwohl wird sie die gesammelten Eindrücke mit in ihre Arbeit nehmen. "Dass wir mehr für den Bereich der Pflege tun müssen", lautet ein Anliegen. Das Zeitbudget, das je nach Pflegestufe für bestimmte Hilfestellungen zur Verfügung steht, sei "sehr knapp getaktet", so Svenja Schulze.

In ihrem Ansatz, das "Abenteuer Alltag" mit Hilfe von Praktika nicht aus den Augen zu verlieren, sieht sich Svenja Schulze bestärkt. Auch wenn die geplante Mitarbeit in der Pinkus-Brauerei vorerst verschoben werden musste, wird sie in Zukunft an ihrem Konzept festhalten.

Einen Teil ihrer Motivation zieht sie dabei sicher auch aus den positiven Rückmeldungen der Bewohner des Achatius-Hauses. "Wir würden sie am liebsten behalten", meinte Rosi Wehning, die am letzten Praktikumstag ihren Geburtstag mit Svenja Schulze feierte.

Foto: WN / kus



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