07.09.2010

Gebühren sind enorme Hürde

Frau Ministerin, Sie wollen die Studiengebühren abschaffen. Doch sind 1 000 Euro im Jahr bzw. 2,84 Euro am Tag denn wirklich so eine unüberwindliche Hürde?
Schulze: “Diese Summe ist eine enorme psychologische und reale Hürde. Wer will schon nach seinem Studium 10 000 Euro Schulden zurückzahlen? Dazu kommen ja auch noch Ausgaben für Miete und Bücher. Auch Leute mit gutem Einkommen, die zwei Kinder haben, kommen da ganz schnell an ihre Grenze.”

Sie haben an der Ruhr Uni Bochum studiert. Wie haben Sie Ihr eigentlich Studium finanziert?
Schulze: “In meiner Familie waren solche Beträge nicht so einfach zu stemmen,  meine Eltern haben mir 660 D-Mark im Monat überwiesen.  Darüber, wie wir das schaffen konnten, gab es vorher lange Diskussionen. Dazu habe ich gejobbt, Tutorien gegeben, ein kleines Stipendium gehabt. Anders wäre es nicht gegangen!”

Haben fünf Jahre Studiengebühren in NRW zu weniger Studenten geführt?
Schulze: “Ja. Der letzte Bildungsbericht der Bundesregierung belegt, dass die Gebühren ein entscheidender Grund sind, ein Studium gar nicht erst aufzunehmen.”

Um den Zeitpunkt, an dem sie wegfallen sollen, gibt´s aber politischen Streit.
Schulze: “Wir können sie erst zum Wintersemester 2011/ 12 abschaffen. Es geht hier immerhin um 249 Millionen Euro, die zukünftig aus dem Landeshaushalt kommen sollen. Der wird aber frühestens im Mai 2011 verabschiedet. Mir ist es wichtig, dass die Universitäten die Sicherheit haben, dass sie ihr Geld auch bekommen, mit dem viele neue Jobs und Tutorien möglich gemacht wurden, ebenso wie längere Öffnungszeiten der Uni-Bibliotheken.”

Ihr Vorgänger hat den Hochschulen mehr Eigenverantwortung gegeben, von  der Besetzung von Professoren-Stellen bis zu Firmengründungen. Wie halten Sie es damit?
Schulze: “Wir werden das Rad an dieser Stelle nicht komplett zurückdrehen. Aus meinen Gesprächen mit Rektoren weiß ich aber, dass sie sich mehr staatliche Leitplanken wünschen. Zwischen den Unis soll es nicht nur Konkurrenz sondern mehr Zusammenarbeit geben. Das Pendel ist bei CDU und FDP sehr weit in eine Richtung ausgeschlagen – wir wollen das ausgeglichener gestalten.”

Welche Akzente setzen sie als Ministerin für Wissenschaft und Forschung noch?
Schulze: “Wir wollen mehr Forschungs-Institute nach NRW holen um im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe vorne zu liegen. Außerdem wollen wir an unseren Unis ausgebildete Ausländer gerne hier bei uns behalten und stärker ermutigen, in NRW Arbeitsplätze zu schaffen.”


Das Interview führten Hagen Meyer und Peter Poensgen



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