26.11.2010

"Wenn man etwas verändern will, muss man Verantwortung übernehmen"

Frau Ministerin Schulze, Sie waren 1988/89 Landesschülersprecherin, was hat sie damals bewegt Schülervertretungsarbeit auf Landesebene zu machen?
Die politischen Debatten der 80er Jahre, wie der Kampf für den Ausstieg aus der Atomkraft und der Einsatz für mehr Rechte von Frauen, spielten auch an den Schulen eine große Rolle. Es herrschte insgesamt ein Klima, in dem sich viele Menschen, junge wie ältere, sich nicht mit der Politik unter der Regierung von Helmut Kohl abfinden und sich stattdessen aktiv in die Entscheidung der Politik einmischen wollten. Die Situation war vergleichbar mit den aktuellen Protesten gegen Stuttgart 21. Auch mir war es wichtig, mich einzumischen und den Anliegen von uns Schülerinnen und Schülern eine Stimme zu geben.

Was wollten Sie in der Bildungspolitik verändern, als Sie sich zur Wahl als Landesschülersprecherin gestellt haben?
Soweit ich mich noch erinnere, wollte ich vor allem mehr Mitsprache von Schülerinnen und Schülern in der Schule durchsetzen.

Haben sich Ihre politischen Interessen geändert, als Sie Vorsitzende des AStA der Ruhr-Universität Bochum wurden?
Meine Interessen haben sich damals nicht verändert, dafür die Themen mit denen ich als AStA-Vorsitzende zu tun hatte. Es gab damals dramatischen Wohnraummangel an den Hochschulen. In Bochum haben wir untere dem Motto „Miethaie zu Fischstäbchen“ gegen zu wenigen und zu teuren Wohnraum protestiert. Um ein Zeichen zu setzen haben wir vom AStA aus ein kleines Wohnwagendorf auf dem Uni-Gelände organisiert, um Studierenden wenigstens übergangsweise Unterkünfte zu organisieren. Die Aktion hat damals großes mediales Echo gefunden.

In welchem Moment kam die Entscheidung, Politik als Beruf wahrzunehmen?
Ich begreife mein politisches Engagement nicht als „Berufswahl“. Aber wenn man sich wirklich einmischen und etwas ganz praktisch verändern will, muss man auch bereit sein politische Verantwortung zu übernehmen, sei es als Abgeordnete oder jetzt als Ministerin. „Politikerin“ oder „Ministerin“ stand nie auf meiner Berufswahlliste.

Vertreten Sie heute immer noch die selben politischen Ansichten wie vor 20 Jahren, als Sie Landesschülersprecherin waren?
Chancengleichheit war für mich von Anfang an ein wichtiges Thema. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, das war schon damals meine feste Überzeugung – und ist es bis heute.

Gibt es Fähigkeiten, die Sie durch Ihre Arbeit bei der LSV erlernt haben, die Sie noch heute als Ministerin benötigen?
Da gibt es eine ganze Reihe von Fähigkeiten, die ich sehr früh gelernt habe: aus Diskussionsbeiträgen die wichtigsten Argumente schnell zu erkennen und zu verstehen, zwischen unterschiedlichen Positionen zu vermitteln, frei vor vielen Menschen zu reden, Projekte zu planen und zu organisieren und nicht zuletzt lange Sitzungen durchzustehen.

Gibt es etwas, dass Sie sich heute für die Schülervertretungsarbeit wünschen würden?
Mehr Beteiligung und mehr Engagement. Es ist immer wichtig, sich für seine eigenen Belange einzusetzen, ob an der Schule, der Universität oder später am Arbeitplatz. Nur wenn sich viele für etwas einsetzten, kann es auch Veränderungen geben.

Das Interview ist in der Zeitschrift zur 100. Landesdelegiertenkonferenz der Landesschülerinnenvertretung NRW erschienen. Die Fragen stellte Johannes Struzek



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