21.12.2011

"Wenn man Steuergeld ausgibt, muss man sich an Regeln halten"

Svenja Schulze im Interview mit den Westfälischen Nachrichten
Aus Anlass der aktuellen Diskussionen um das CARE-Projekt in Münster stand Svenja Schulze dem WN-Redakteur Hilmar Riemenschneider Rede und Antwort.

Frau Schulze, was ist aus Ihrer Sicht schief gelaufen beim „Care“-Institut?
Schulze: Vergangenes Jahr haben wir Herrn Schöler erstmal 200.000 Euro bewilligt, damit er den Antrag mit den erforderlichen Unterlagen erarbeiten kann. Erst im August hat Herr Schöler uns eine Grundstruktur vorgestellt. Zuletzt haben wir uns am 15. Dezember darüber ausgetauscht. Und dann hat Herr Schöler am 18. erklärt, das Projekt sei gescheitert. Am 20. habe ich um 21.20 Uhr aber eine E-Mail erhalten mit dem Businessplan und dem Wunsch, dass wir weiterhin gut zusammenarbeiten. Diese Vorgehens-weise ist ein wenig irritierend. Das umso mehr, weil „Care“ kein reines Forschungsinstitut ist, sondern Medikamente entwickeln soll. Wir bewegen uns damit im Markt, da brauchen wir die Industrie dabei. Herr Schöler möchte aber ohne Prüfung schon eine Zusage. So geht das nicht. Wenn man Steuergeld ausgibt, muss man sich an Regeln halten.

Fühlen Sie sich zu Unrecht kritisiert von Herrn Schöler?
Schulze: Ich finde das Vorgehen nicht nachvollziehbar . Es ist doch klar, dass man einen Antrag schreiben muss, wenn man Geld vom Land haben will.

Wie stehen Sie denn zum „Care“-Projekt?
Schulze: Die Grundidee finde ich interessant. Die Frage ist eben nur, wie und ob wir es öffentlich fördern können. Herr Schöler muss die Industrie als Partner gewinnen. Wenn dort Medikamente entwickelt werden, kann das nicht der Staat tun. Darum haben wir von Herrn Schöler einen Businessplan verlangt.

Welche Chancen sehen Sie denn, dass das Projekt noch realisiert werden kann?
Schulze: Das kann ich erst sagen, wennder Antrag geprüft worden ist. Er liegt ja erst seit gestern vor. Herr Schöler hat das Projekt öffentlich für tot erklärt. Da weiß ich gar nicht, ob ich ihn noch lesen soll.

Ist das Tischtuch zwischen Ihnen und Herrn Schöler zerschnitten?
Schulze: Nein, von meiner Seite aus nicht. Wichtig ist, ob das Projekt für das Land und die Region interessant ist. Dann ist es etwas, das wir mit voranbringen können. Dafür brauchen wir den Antrag. Ich kann kein privatwirtschaftliches Pharmaunternehmen für Herrn Schöler finanzieren.

Halten Sie denn die kleine Lösung, die Herr Schöler vorgeschlagen, um erste Interessenten zu halten. Sind kleine Schritte auch eine denkbare Lösung?
Schulze: Auch dafür müssen wir über ein Konzept reden und wissen, wie sich das finanziert. Es muss ein Projekt sein, das nachhaltig ist. Auch da müssen unsere Fachleute für die Anträge ins Boot. Wir können ja keine Subventionen geben, das ist nun mal die Gratwanderung.

Wie bewerten Sie das Risiko, dass Herr Schöler das Projekt in Süddeutschland ansiedelt?
Schulze: Auch Bayern liegt in der EU. Die bayerische Landesregierung wird die gleichen Fragen stellen, die wir haben.

In diesem Kontext wird die Frage gestellt, was Sie als Münsteranerin für den Forschungsstandort Münster tun können.
Schulze: Ich bin zwar Münsteranerin, aber ich muss Politik für den ganzen Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen machen und alle gleich behandeln. Dass ich gerne Projekte in Münster unterstütze, ist selbstverständlich.

Werden Sie auf Herrn Schöler zugehen?
Schulze: Ich habe ja schon mit ihm weitere Gespräche geführt. Wichtig ist, dass die Unterlagen komplett sind und wir uns über das Konzept austauschen. Das ist das Entscheidende, dem muss sich jeder Forscher stellen. Jeder Forscher muss sich hinterfragen lassen, wenn es um öffentliches Geld geht.


Das Interview ist auch online auf der Homepage der Westfälischen Nachrichten




zurück
Berichten Sie darüber:
  • bei twitter
  • bei facebook
  • bei delicious
  • bei digg
  • bei google
  • bei webnews
  • bei Mister Wong
  • versenden
Ihr Name

Ihre Mailadresse:
Name des Empfängers
Empfänger-Adresse
Nachricht für den Empfänger
Sicherheitsfrage:Bitte tragen Sie das Ergebnis der folgenden einfachen Rechnung ein: 13 + 16 =